Praktikumsbegleitendes Online Seminar (2014 bis 2017)
(Studiengang: Wirtschaft & Politik, B.A.)
 

Das "Praktikumsbegleitende Seminar" hatte zwei Aufgaben. Zum einen erhielten die Teilnehmenden die Möglichkeit, ein Grundgerüst für ihren Praktikumsbericht anzufertigen. Zum anderen bot dieses Seminar eine Umgebung, in der sich die Praktikanten über die Arbeiten und Erfahrungen aus dem Praktikum mit ihren Kommilitonen austauschen konnten.

 
Quelle:  Alexander Rentsch , 2017

Quelle: Alexander Rentsch, 2017

 

Das Seminarkonzept: Reflexion als Grundeigenschaft
zukünftiger Führungskräfte

Der Beginn des Praktikums ist bei den meisten Studierenden mit dem guten Gefühl verbunden, endlich praktisch arbeiten zu können. Ein parallel verlaufendes Seminar erscheint da in diesem Zusammenhang vielleicht etwas unpassend.

Der Grund, warum dieses Seminar für die Studierenden angeboten wurde, liegt in der Notwendigkeit, ihre Fähigkeit zur Selbstreflexion zu verbessern. Aktuelle Ansätze in den Bereichen der Personalführung (vgl. Lohmann, Detlef: Und Mittags geh ich heim – Die völlig andere Art, ein Unternehmen zum Erfolg zu führen. 1. Aufl. Wien: Linde Verlag, 2012) und der Erwachsenenbildung (vgl. Hattie, John: Lernen sichtbar machen. 1. Aufl. Baltmannsweiler: Schneider Verlag GmbH, 2014) gehen davon aus, dass die Fähigkeit zur kritischen Auseinandersetzung mit den eigenen Verhaltens- und Arbeitsweisen den Grundstein für eine erfolgreiche persönliche Weiterentwicklung legt. In diesem Zusammenhang ist es wichtig, dass die Teilnehmenden eigene Strategien, zum Beispiel für die Lösung von Konflikten, entwerfen. Diese Möglichkeit der Weiterentwicklung wird den Studierenden durch das Praktikum gegeben. Darüber hinaus hilft es, wenn diese ihre Arbeitsweisen außerhalb des Arbeitsplatzes reflektieren.

Als Seminarleiter war es meine Aufgabe, den Teilnehmenden einen organisatorischen und didaktischen Rahmen zu bieten, der sie bei diesem Vorhaben unterstützt.

Die Durchführung als Webinar: So einfach wie möglich,
so effizient wie nötig!

Bei der Planung dieses Seminars habe ich darauf geachtet, eine Teilnahme technisch und organisatorisch so einfach wie möglich zu machen. Aus diesem Grund habe ich alle Faktoren reduziert, die für dieses Seminar unnötig sind. Ich begann damit, den Teilnehmenden die physische Anwesenheit an der Hoschule zu ersparen. Alle Veranstaltungen wurden als Webinar angeboten. Auf diesem Weg konnte jeder bzw. jede Teilnehmende ortsunabhängig und kostengünstig an den Terminen teilnehmen.

Das Seminar wurde aller zwei Wochen als Adobe Connect Online Meeting durchgeführt. Jede Einheit hatte eine maximale Gesemtlänge von 60 Minuten. Diese Zeit beruht auf der Beobachtung, dass Online Lehreinheiten ab einer Länge von mehr als 45 Minuten deutlich geringere Interaktionsgrade aufweisen, als kürzere Einheiten.

Alle für eine erfolgreiche Teilnahme benötigten Informationen erhielten die Studierenden zu Beginn des neuen Semesters auf unserer Moodle-Plattform.

Die Leistungskriterien

Für eine erfolgreiche Teilnahme am Seminar waren drei Aspekte zu erfüllen:

1 Nachweisliche Anwesenheit bei vier von sieben Online-Veranstaltungen (20 %)

Im Sommersemester wurden insgesamt sieben Online Meetings mit einer maximalen Gesamtdauer von je 60 Minuten angeboten. Diese Einheiten setzten sich aus punktuellen Inputs von mir und moderierten studentischen Präsentationen zusammen. Als "anwesend" galten Personen, die im Zeitraum der Veranstaltung durch Beiträge in Wort oder Schrift in Erscheinung getreten sind.

Der Nachweis der Anwesenheit wurde über eine Tabelle wochenaktuell dargestellt und war über den Moodle-Kurs zur Veranstaltung von jedem Studierenden bzw. jeder Studierenden abrufbar.

2 Beschreibung einer praktikumsbezogenen Herausforderung (40%)

Jeder Studierende sieht sich im Verlauf seines Praktikums mit fachlichen, zwischenmenschlichen oder organisatorischen Herausforderungen konfrontiert. Diese Situationen zu analysieren, dafür geeignete Lösungsansätze zu finden und diese umzusetzen sind zentrale Anforderungen an zukünftige Fach- und Führungskräfte.

Aus dieser Anforderung habe ich die Aufgabe abgeleitet, einen Erfahrungsbericht zu einer im Praktikum erlebten Situation zu formulieren. Im Mittelpunkt dieser Ausarbeitung standen die folgenden Fragen:

  • Welche Herausforderung hatte ich zu meistern?

  • Welche Strategien kamen für eine Lösung in Betracht?

  • Wie bewerte ich rückblickend mein Vorgehen?

  • Welche allgemeinen Empfehlungen resultieren aus meinen Erfahrungen für Personen in ähnlichen Situationen?

Diese Fragen wurden im Bericht durch Informationen zur Firma und dem Aufgabengebiet der Praktikanten abgerundet. Auf diese Weise verfügten die Studierenden nach Abschluss des Seminars über ein gutes Grundgerüst für ihren Praktikumsbericht. Dieser war nicht Bestandteil der Seminars.

Die Form und der Umfang des seminarinternen Erfahrungsberichtes war der notwendigen Tiefe der beschriebenen Situation unterzuordnen, sollte aber eine Länge von fünf DIN A4-Seiten nicht unter- und 15 DIN A4-Seiten nicht überschreiten.

3 Online-Präsentation oder Screencast (40%)

Einer Studie der Beratungsagentur ComTeam zufolge, arbeiten bereits zwei von drei Fach- und Führungskräfte regelmäßig in Online-Umgebungen, z.B. in Form von Online Meetings (Handelsblatt Nr. 150 2013). Die dabei entstehende Situation unterscheidet sich deutlich von klassischen Präsentationen, da den Präsentierenden keine visuellen oder akustischen Rückmeldungen gegeben werden.

Um diese Besonderheiten zu erleben und erste Erfahrungen in einem konstruktiven Umfeld zu sammeln, hatten eine Auswahl von Studierenden die Möglichkeit eine zehnminütige Online Präsentation zu halten. Alle anderen Studierenden hatten die Aufgabe, ihre Präsentation in Form einer Bildschirmaufzeichnung aufzubereiten und auf der Lernplattform bereitzustellen.

Thematisch konnte sich diese Präsentation auf einen Kernaspekt des Berichtes konzentrieren (vgl. Punkt „Beschreibung einer praktikumsbezogenen Herausforderung“). Um die Perspektive nicht ausschließlich auf ggf. herausfordernde Dinge des Praktikums zu lenken, können auch andere praktikumsrelevante Themen aufgegriffen werden. So wurden z.B. sehr interessante Präsentationen zu Interviews mit Vorgesetzten oder eigene Ideen für resultierende Abschlussarbeiten vorgestellt.

Jede der Online-Präsentationen wurde von mir mit einem Feedback versehen. Die Bestandteile dieses Feedbacks waren der Inhalt der Präsentation, die Gestaltung der Folien, die Reaktion auf Fragen, die erkennbaren Ansätze der persönlichen Reflexion und die Einhaltung der zeitlichen Vorgaben. Die Meinungen der anderen Teilnehmenden wurden über eine anonyme Feedbackskala zur Bestimmung eines Präsentationsprofils mit einbezogen.

Alle Screencasts, also aufgezeichneten Präsentationen, wurden in Form eines Tandems von jeweils zwei zugeteilten Partnern mit einem Feedback versehen. Der Aufwand für die Bearbeitung der Teilaufgaben und die Teilnahme an den Online Terminen lag für die Studierenden bei etwa 25 Stunden. Es galt zu beachten, dass ich laut offizieller Seminarplanung einen Aufwand von bis zu 60 Stunden von den Teilnehmenden verlangen musste. Ich vertrete jedoch die Annahme, dass ergebnisorientiertes Arbeiten stets einer zeitlichen Verpflichtung vorzuziehen ist.

Die Regeln der Kommunikation und Zusammenarbeit

Alle Seminarinhalte und -informationen wurden nach dem Start des Semesters auf der Lernplattform der Hochschule bereitgestellt.

Damit die Zusammenarbeit reibungslos verlaufen konnte, habe ich ein paar einfache Regeln definiert:

  • Allgemeine Anfragen zu Terminen, Inhalten und organisatorischen Dingen sollten bitte im Seminarforum gestellt werden. Dort erhielten die Studierenden von mir innerhalb von zwei Werktagen eine Antwort.

  • Persönliche Nachrichten, z.B. bei Schwierigkeiten im Praktikum oder für Hilfestellungen zum Praktikumsbericht, konnten direkt per Mail gestellt werden. Die Bearbeitung erfolgte innerhalb von drei Werktagen.

  • Verschiebungen bzw. Änderungen bei der Auslieferung von Seminaraufgaben oder Terminen, z.B. für die Durchführung von Präsentationen, mussten spätestens am Vormittag des jeweiligen Seminartages oder Tages der Deadline kommuniziert werden. Andernfalls wurde dieser Baustein nicht bewertet.

  • Die Kommunikation über Online-Plattformen und Webinare ist für mich eine sinnvolle Notwendigkeit und keine Idealsituation. Wenn die Teilnehmenden an der Hochschule waren, habe ich jeden auf einen gemeinsamen Kaffee eingeladen.

Reflexion der Veranstaltung

Ich habe diese Veranstaltung als Spielwiese für eigene Methoden und Erfahrungen zur Durchführung von Online Lehrveranstaltungen betrachtet. Dabei haben sich die folgenden Dinge als besonders hilfreich herausgestellt:

  • Die Abbildung des gesamten Kurses auf der Lernplattform inkl. Komponenten zur Terminvergabe (Abstimmung), der Kommunikation (Forum) und der Einreichung von Arbeitsergebnissen (Aufgabe).

  • Die Verwendung von Adobe Connect als kostenloses datenschutzkonformes Angebot des Deutschen Forschungsnetzwerkes.

  • Die Anwendung eines Feedback-Tandems zur gegenseitigen Beurteilung von Studierendenleistungen am Beispiel der Produktion eines Screencastes.

  • Die regelmäßige proaktive Kommunikation bzw. Informationsweitergabe an alle Teilnehmenden.

Fragen, Anregungen oder Interesse an einer Zusammenarbeit?

Wenn Du Fragen oder Anmerkungen zu meinem Seminarkonzept hast, melde Dich gern bei mir. Gleiches gilt, wenn Du ein ähnliches Konzept für eigene Online Angebote entwickeltn möchtest.